USA

Reiseblog durch den Südwesten der USA

Samstag, 23. Mai 2015

Gletschertour Siólheimajökull - Seljalandfoss


Heute gings ab auf den Gletscher. Wir haben beschlossen, die erste Tour am Tag um 10 Uhr zu nehmen, da da erfahrungsgemäß die Gruppen kleiner sind (die Mittagstouren sind immer gerammelt voll). Also waren wir, pünktlich wie die Deutschen eben so sind, um 9:15 Uhr am Treffpunkt (man sollte eine halbe Stunde früher da sein). Leider waren wir die einzigen, die so motiviert waren. Also haben wir im Auto gewartet und den ersten Haglschauer des Tages über uns ergehen lassen. Um 20 vor 10 kam dann der Guide angefahren und es ging langsam los. Man bekam einen Gurt, einen Eispickel, Steigeisen und einen Helm.

 
Zu diesem Zeitpunkt waren wir vier Teilnehmer. Wir standen also, zusammen mit zwei Mädels aus Amerika, vor der Containerhütte und haben auf sechs weitere Amis gewartet. Um 10 nach 10 kam ein GMC die Schotterpiste auf uns zu gedonndert. Drei weitere Amis waren da. Pech für den Rest, länger warten wir nicht mehr. Bolton, unser Guide, gab den Neuankömmlingen noch schnell eine Kurzeinweisung und ab gings auf den Gletscher.


Es war sehr informativ und erschreckend was er uns zu erzählen hatte. Allein im letzten Jahr ist der Gletscher um 78m geschmolzen. Normal sind um die 40m pro Jahr. Grund dafür ist der erhöhte Kohlenstoffdioxid Spiegel in der Luft. Es ist wirklich dramatisch zu sehen. Er hat uns einen Film empfohlen, der direkt an dieser Gletscherzunge des Solheimajökull zum teil gedreht wurde und dokumentiert, wie der Gletscher schmilzt. Der Film heißt chasing Ice ( https://www.youtube.com/watch?v=trtCL0EIvB0 ) . Auch so ist sehr deutlich, wie rapide der ganze Schmelzvorgang vor sich geht. Die Organisation, mit der wir auf den Gletscher sind, hat 2007 eine Hütte ans Ende der Gletscherzunge gebaut. Heute muss man 15min von der Hütte zum Ende der Gletscherzunge laufen. Wenn es so weiter geht, ist der Gletscher in 40-50 Jahren weg. Sehr dramatisch. Unter dem Gletscher liegt der Super Vulkan Katla. Wenn dieser ausbricht, schmilzt das ganze Eis (immerin 750m dick) innerhalb weniger Stunden und  das komplette Wasser fließt in Richtung Ozean. Dies würde eine Art Tsunami verursachen, da der Ozean eine derartige Menge an Wasser nicht so einfach verpacken könnte. Katla ist der Statistik nach seit ca. 25 Jahren überfällig. Wenn Katla und der Supervulkan im Yellowstone Nationalpark gemeinsam ausbrechen würden, würden die Aschewolken das Sonnenlicht derart verdecken, dass es höchstwahrscheinlich zu einer kleineren Eiszeit kommen würde. Hoffen wir alle, dass das nicht passiert. Also zurück zum Gletscher. Wir sind also die Zunge des Solheimajökull hoch gelaufen bis zum Plateau. Ist erst einmal ein sehr ungewohntes Gefühl mit den Steigeisen über das Eis zu laufen, aber man gewöhnt sich schnell daran. Was uns schon bei der ersten Gletscherzunge aufgafallen ist, ist der viele Dreck, den diese mit sich ins Tal transportieren. Dieser hat zwei unterschiedliche Ursprünge. Zum einen ist es Asche die teilweise vom Ausbruch des Eyafjallajökull (2010) herrührt, der ist quasi gleich nebenan, zum anderen ist es Gestein, das der Gletscher auf seinem Weg ins Tal von den Bergen abschabt und mit sich weitertransportiert. Auch der Wind weht Lavasand in Löcher auf dem Gletscher. Das faszinierende dabei ist, dass dieser den Schmelzprozess in den Löchern verlangsamt bzw. das Eis unter der Sandschicht nicht mehr schmilzt. Dies führt dazu, dass alles um das Loch herum abschmilzt und das Loch zum Hügel wird. Sehr faszinierend.




Noch faszinierender ist, dass das Eis vom oberen Plateau des Gletschers bis ins Tal in den Glätschersee 700-1000 Jahre braucht. Und das ist das Eis auf dem wir heute den Gletscher hoch laufen. Ein Paradies für Geologen. Bolton hat uns auch noch gleich über das blaue Eis aufgeklärt. Dieses ist nur blau, weil die Masse die oben nachdrückt den kompletten Sauerstoff aus dem Eis gedrückt hat und dieses jetzt viel dichter liegt. Dadurch schimmert es blau und schmilzt bis zu 7 mal langsamer als normales, weißes Eis. Für Cockails soll das blaue Eis super sein, da das nicht so schnell wässrige Cocktails macht (kleiner Spaß am Rande) es ist so hart, dass man es kaum richtig brechen kann. Also immer weiter im Gänsemarsch hintereinander Bolton hinterher den Gletscher hoch. Schön auf die Spalten aufpassen. Sehr faszinierend ist auch in Gletscherspalten rein zu schauen und das Wasser unten fließen zu sehen. Angeblich macht es jünger, das klare Gletscherwasser zu trinken. Alle Amis waren gleich hellauf begeistert.







 Es war ein sehr informativer und wettertechnisch auch anstrengender Ausflug. Innerhalb von 5min änderte sich das Wetter von Hagelschauer zu Sonnenschein. Typisch Island eben.




Wir hatten mal wieder das volle Programm. Als wir dann wieder auf dem Rückweg waren kamen uns dann die Nachmittagsgruppen mit, Drei Stück mit jeweils weit über 10 Leuten entgegen. Mal wieder alles richtig gemacht! Naja.... kaum warenn wir unten - strahlender Sonnenschein.......




Abends sind wir dann noch nach Laugavartn weiter gefahren.


Unser Hostel für die nächsten drei Tage.Auf dem Weg dorthin kommt man am Þórsmörk Nationalpark vorbei, wo sich fast direkt neben der Ringstraße der Seljalandfoss befindet. Ein traumhafter Wasserfall hinter dem man hindurch gehen kann. Von vorne bildet sich beim richtigen Sonnenlicht ein kleiner Regenbogen. Allerdings wird man duch das vom Wind aufgewirbelte Wasser klatsch nass. Also nicht nur so ein bischen, nein so nass, dass ich mich auf der super nicht sauberen öffentlichen Toilette freiwillig komplett umgezogen habe.





(Keine Sorge, die Kamera hats überlebt)