So, nachdem wir dann pünktlichst um 10 vor 7 alles verladen hatten ging es dann auch direkt los. Erste Anlaufstelle die Kontinentalspalte, die den europäischen und den amerikanischen Kontinent voneinander trennt. Die Spalte selbst hat einige Verwerfungen und ist mehrere hundert Meter breit aber stellvertretend für das ganze Phänomen wurde zwischen eben zwei dieser Verwerfungen eine 18m lange Brücke gebaut, die das eben symbolisieren soll. Ist ganz nett da, man kann drüber und drunter laufen. Es windet wie verrückt und man kann ein paar Fotos machen. Ist aber maximal eine Sache, die mal 30min Spaß macht. Es bleibt eben einfach ne Brücke zwischen zwei Felsen. In einem meiner Reiseführer ist sie als Abzocke an den Touristen verschrien, weil es von mehreren Anbietern jetzt bis zu Halbtagesausflüge dort hin gibt und im anderen wird sie im Nebensatz mal erwähnt. Wenn man jetzt nicht so oder so mit dem Auto dran vorbei fahren würde ist es ne Sache, die man nicht unbedingt gesehen haben muss.
Sonst sieht hier die ganze Gegend eher wie eine Mondlandschaft aus, es wächst absolut nichts. Hier und da verirren sich mal ein paar Flechten und ein oder zwei Grashalme.
Viel mehr haben uns dann Rauchschwaden, die wir ein paar Kilometer weiter am Horizont gesehen haben, interessiert. Davon stand im super Reise-Know-How Reiseführer nix. War wohl kein Platz mehr, man musste ja zwei Absätze lang die Plattentektonik und die Brücke lächerlich machen.
Also, erst dem Auge dann auch sehr schnell dem Geruch hinterher. Lecker Schwefel-faul-Ei Gestank! Aber man gewöhnt sich echt daran. Was wir gefunden haben war echt cool! Heiße Schlammquellen, deren Abwärme ein Kraftwerk betreibt. Ist an der Straße groß als Sehenswürdigkeit ausgeschrieben. Man würde es aber auch ohne Schilder locker finden. Es raucht aus unzähligen Löchern aus dem Boden. Einige sind sehr groß, andere wiederum sehr klein und man sieht sie kaum. Überall stehen Schilder, die vor der geothermalen Wärme (bis zu 100Grad heißes Wasser) warnen, und man muss auf dem Pfad und den extra gebauten Brücken bleiben. Wenn man die Erde anfasst ist das wie ein Wärmekissen. Nur nicht das Wasser berühren bzw. immer schön hinter der Absperrung bleiben. Am Hauptschlammtopf ist der Wasserdampf so dicht, dass man kaum die Hand vor den Augen erkennen kann und es ist ein fieser Nieselregen in der Luft, der überall weiße Schwefeltropfen hinterlässt. Kamera, Jacken und Hosen alles war hinterher fein weiß gesprenkelt. Das ganze nennt sich (die) Gunnuhver, die größte Schlammquelle in Island. Die Gunnuhver ist bis heute sagenumwoben und nicht selten werden diese zahlreichen Legenden auch den Besuchern mit auf den Weg gegeben. Der Legende zufolge wurde in der Gunnuhver einst der Geist von einer zänkischen Frau verbrannt. Sehr interessant. Vor allem kann man auf der Gegenüberliegenden Seite auf einen Berg steigen und das Ganze noch einmal von oben begutachten.
Immer der Nase, oder eben den Rauchzeichen nach
''Handwärmer'' auf Isländisch
kleinere Herde
kurz vor dem Hauptherd
Brücke über die Schlammtöpfe
Ca. 5m vor dem Hauptherd. Der Wind stand so blöd, dass man es alles voll ins Gesicht bekommen hat.
Aussicht von gegenüber. Links der Rest der Überschüssigen Wärme vom Kraftwerk und Rechts die Gunnuhver.
So, dann wars auch schon fast 10 Uhr und was macht man dann mit so einem angefangen Tag? Ins Guesthouse einchecken geht frühestens um 14 Uhr. Also ab nach Reykjavik rein. Man muss ja auch mal die City Tour machen. Zum Glück hat Dirk den Reiseführer gelesen und nicht wie ich nur
überflogen. Zielsicher haben wir an der ''großen Kirche da hinten'' geparkt und von da aus gehen quasi fast alle Richtungen irgendwie in die Innenstadt. Also beim Parken muss man die Isländer mal loben, habe kaum kostenpflichtige Parkplätze gesehen. Also sind wir zu Fuß ein mal durch die Stadt und zum alten Hafen. Die Isländer haben schon teilweise einen sehr außergewöhnlichen Humor, aber ich mag ihn. Am Burgerjoint gibts nen Burger Laden, ein dickes Kind macht Milkshake Werbung, es gehört schon einiges dazu seinen Plattenladen ''Bad taste record store'' zu nennen oder einen Chuck Norris Grill zu eröffnen oder auch eine offensichtliche Schwulen-und Lesben Bar Kiki - queer Bar zu nennen. Ein Herrenausstatter hat seine Hauswand auch mit 3 Unterschiedlichen Arten eine Krawatte zu binden verschönert.
Viele Häuser sind bunt und auffällig und wie man sie sich hier eben so vorstellt. Klein mit Wellblech verkleidet mit kleinen Fenstern drin. Das ist auch vielerorts so. Nur zwischendrin steht dann immer wieder ein hässlicher Beton Bunker, der der Stadt leider sehr viel an Flair nimmt, und man oft die schönen Ecken suchen muss. Mittags haben wir dann irgendwann beschlossen einen Kaffee in der Innenstadt zu trinken. Hoffentlich ist der Service nicht in allen Kaffees so mies wie in diesem. Wir saßen ca. 15min an unsrem Tisch draußen in der Sonne. Offensichtlich als Touristen geoutet mit der dicken Kamera auf dem Tisch. Aber keiner wollte unsere Bestellung aufnehmen, bzw. hat uns eine Karte gebracht. So ging es noch 3 weiteren Touri Pärchen. Wir haben das Ganze mal passiv weiter beobachtet. Irgendwann wurde es dann der Frau am Tisch hinter uns zu bunt sie hat dann einfach die Kellnerin beim vorbeilaufen abgefangen und mal 2 Bier bestellt. Also wenn die das kann (die kamen nach uns!) dann kann ich das auch. Kellner abgefangen und gefragt ob wir was bestellen können. Er: ''Selbstverständlich was wollen sie denn''? Ich: ''Ja irgend einen Kaffee, haben sie eine Karte''? Er:'' Kaffee'' Ich: '' Einen Cappuccino bitte'' Dirk: ''Bier bitte, ein großes'' Er:''Bier''? Dirk: ''Ja, ihr normales großes Bier hier bitte'' Er: ''Isländisches Bier, hell dunkel?'' Dirk: ''Ja bitte ein helles'' ok. Kellner verschwindet und kommt 10 min später mit Rechnung und Getränken wieder. Laut Reiseführer gilt Trinkgeld geben als äußerst unfreundlich, zu schade sonst hätten wir mit Absicht keins geben können. Ist echt ungewohnt im Restaurant sich auf die Krone genau rausgeben zu lassen bzw. passend zu zahlen. Nach dem frustrierenden Stündchen im Kaffee und einer weiteren Runde durch den alten Hafen knurrte dann doch der Magen und Fish&Chips waren die Antwort darauf. Aber nicht irgend welche, sondern richtig gute. Fisch des Tages, schön angerichtet auf einem Teller, dazu Rosmarin-Knoblauch Kartoffeln und ein super leckerer Dip nach Wahl. Dieses mal hatten wir das richtige Restaurant erwischt!
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Auf dem Rückweg zum Auto (mittlerweile wirklich sau müde um 15 Uhr) noch schnell nen Brief (oder Zwei) an Santa Claus geschrieben, damit Weihnachten dieses Jahr auch wirklich gut wird. Muss man ja auch im Mai schonmal dran denken! Dann nichts wie zurück zum Auto. Noch schnell nen Stop beim nächsten Shopping Center eingelegt, damit wir die nächsten Tage nicht verhungern oder verdursten und dann ab nach Grindavik zu Björk ins Guesthouse. Jetzt is 22 Uhr hier und ich kann mich beim Schreiben kaum mehr wach halten. Ab ins Bett, und morgen geht's weiter!