USA

Reiseblog durch den Südwesten der USA

Montag, 18. Mai 2015

Husavik and the whales



Ein erlebnisreicher Tag. Morgens um halb 9 ging es in Richtung Husavik zu North Sailing. Wir hatten für heute eine Whale-Watching- und Papageientaucher-Gucken-Segeltour mit einem Schoner gebucht.



 Das Wetter war alles andere als optimal. Nass, kalt, Nebel und Nieselregen. Aber man konnte was sehen. Also ab zum Steg und unseren Schoner suchen. Wir wurden von der Crew freudig begrüßt und bekamen gleich dicke Segeloveralls mit eingebauter Schwimmweste. Super Teile! Hammer warm und es zieht in keine Ritze mehr rein. Warm eingepackt in Wanderschuhen auf dem Boot (so manch einer kriegt bei diesen Schuhen jetzt beim Lesen die Krise) warteten wir auf unsere anderen 6! Mitsegler.


Pünktlich um 9:30Uhr gings dann ab auf See und erst mal in Richtung einer kleinen Insel, auf der die für Island typischen und sehr bekannten Papageientaucher nisten (kleine, süße, Papageienähnliche, antarktische Vögel) Es ist verdammt schwer sie vor die Linse zu bekommen, da sie trotz ihrer so kurzen Flügel unglaublich schnell sind. Dennoch sehen sie sehr plump und unbeholfen und tapsig aus.



Der Wellengang war schon etwas für Leute, die auch mal Achterbahn fahren, aber es ging noch. Bis auf einen Engländer sahen alle noch gut aus. Also von Puffin Island (Puffin oder Lundi heißen die kleinen hier) wieder abgedreht und jetzt wurde es Zeit die Segel zu setzen. Jeder der mithelfen wollte hat eine Schot zum auf Kommando dran ziehen zugeteilt bekommen. Ab gings im Teamwork die Segel nach oben.



Kaum waren sie oben und standen einigermaßen gut und der Motor war aus meldete sich der Engländer mit Seekrankheit und Panikattacke. Super gut. Die Crew hat ihn dann unter Deck befördert und versucht die Situation in Griff zu bekommen. Keine 5min später kam der Skipper aus der Luke gerannt, mit Handy am Ohr, schmiss den Motor an, wendete das Boot ohne große Vorwarnung und fuhr unter Vollzeugbesegelung unter Motor voll Speed in Richtung Hafen. 



Der 4h Trip war nach ca.1h beendet. Das letzte Segel haben wir in der Hafeneinfahrt irgendwie runtergerissen. Die armen Mädels der Crew waren völlig fertig. Der einen bluteten sogar die Hände. Ist auch nicht der leichteste Job, einer halbwegs nützlichen Herde Touristen innerhalb 2 Minuten zu erklären, was jetzt abgeht und wer was macht. Mehr oder weniger haben 2 Mädels die Segel im Alleingang runter gerissen. Für die ganze Aktion sah der Engländer aber überhaupt nicht so schlecht aus als er dann von Bord gegangen ist im Hafen. Für uns gabs dann die Optionen: 1. Andere Tour mit einem Motorboot oder 2. Geld zurück. Da Husavik aber der beste Spot auf Island ist, um Wale zu beobachten, haben wir uns schnell für Option Nr. 1 entschieden. Problem war nur, die nächste Tour ging erst um 13:30 Uhr auf einem riesen Fischer Kahn mit 50 anderen Touris (45 davon deutsch, inklusive Crew außer Kapitän). Das Ganze war aber noch problematischer. Wir mussten noch 4h fahren (google Maps ist irgendwie immer schneller, ich glaun der rechnet deutsch) und eigentlich bis 22 Uhr in Seydisfjördur einchecken.


Also hat die nette Dame am Ticket Schalter für uns im Hostel angerufen, dass wir es nicht schaffen bis um 22Uhr, was kein Problem für das Hostel darstellt. Die lassen einfach die Türe offen und den Schlüssel in unserem Zimmer. Sehr nett. Na dann. Alle Probleme beseitigt und schwups waren wir gegen Auszahlung des Differenzbetrags auf die andere Tour gebucht. Die Overalls waren lange nicht so cool, das Schiff nicht so schön und es war die absolute Massen Touristen Veranstaltung. Sieht auch gleich ganz anders aus als auf so einem schönen Schoner. Is eher wie Müllmänner beim Schlange vor dem Stemoel Automaten stehen.....



Aber wir haben jede Menge Wale gesehen. Wir haben uns gleich nach ganz oben verzogen, um ein bisschen den Massen aus dem Weg zu gehen. Das Wetter war mittlerweile noch schlimmer. Erst mal raus aus dem Hafen. Keine 10 min später hat das erste Chinesen Kind sein Mittagessen wieder an Deck verteilt gehabt. Die arme Beate von der Crew kam aber gleich mit dem Eimer angerannt und hat die Überbleibsel von Bord gespült. Nils aus Sindelfingen (seit 1999 auf Island), der Moderator, Wal-Schreier und Entertainer der Veranstaltung hat sich als Kinderflüsteter versucht, aber kläglich versagt. Wenigstens konnte man sich auf seine ``Whale 11 o´clock`` Schreie verlassen. Leider kam nur einmal ein Wal direkt neben unser Boot, ganz zum Ende, und ich war mit der Kamera nicht schnell genug. Aber von den 20-30m entfernten gibt es jede Menge Fotos und das nicht nur von Walen, sondern auch von jeder Menge Seevögeln.






Als es dann irgendwann hieß: Letzer Wal, dann Zimschnecken mit heißer Schokolade auf dem Vorschiff hat direkt die nächste Asiatin ihr Mittageseen den Walen zum Fraß vorgeworfen. Die See scheint wohl doch etwas rauer gewesen zu sein. Letztendlich hat es sich wirklich gelohnt. Jetzt packen wir nur den Lake Myvatn nicht mehr komplett, bzw. ist eh so neblig, dass man nichts davon sieht. Noch schnell einen Express Stopp beim größten Wasserfall Europas, dem Dettifoss, eingelegt und erst mal durch das Schneefeld dahin gestiefelt. Ist wirklich ein riesen Teil! 

 (Der Schnee ist nur deshalb schwarz gemustert, da das aufgestäubte Wasser vom dunklen Lavafeld kommt)

In Seydisfjördur angekommen ist unser Hostel alles andere als super. Ist eher eine Art Geisterhaus. Für eine Nacht wirds wohl gehen.