Ein erlebnisreicher Tag. Morgens um halb 9 ging es in
Richtung Husavik zu North Sailing. Wir hatten für heute eine Whale-Watching-
und Papageientaucher-Gucken-Segeltour mit einem Schoner gebucht.
Das Wetter
war alles andere als optimal. Nass, kalt, Nebel und Nieselregen. Aber man
konnte was sehen. Also ab zum Steg und unseren Schoner suchen. Wir wurden von
der Crew freudig begrüßt und bekamen gleich dicke Segeloveralls mit eingebauter
Schwimmweste. Super Teile! Hammer warm und es zieht in keine Ritze mehr rein.
Warm eingepackt in Wanderschuhen auf dem Boot (so manch einer kriegt bei diesen
Schuhen jetzt beim Lesen die Krise) warteten wir auf unsere anderen 6!
Mitsegler.
Pünktlich um 9:30Uhr gings dann ab auf See und erst mal in Richtung
einer kleinen Insel, auf der die für Island typischen und sehr bekannten Papageientaucher
nisten (kleine, süße, Papageienähnliche, antarktische Vögel) Es ist verdammt
schwer sie vor die Linse zu bekommen, da sie trotz ihrer so kurzen Flügel
unglaublich schnell sind. Dennoch sehen sie sehr plump und unbeholfen und
tapsig aus.
Der Wellengang war schon etwas für Leute, die auch mal Achterbahn
fahren, aber es ging noch. Bis auf einen Engländer sahen alle noch gut aus. Also
von Puffin Island (Puffin oder Lundi heißen die kleinen hier) wieder abgedreht
und jetzt wurde es Zeit die Segel zu setzen. Jeder der mithelfen wollte hat
eine Schot zum auf Kommando dran ziehen zugeteilt bekommen. Ab gings im
Teamwork die Segel nach oben.
Kaum waren sie oben und standen einigermaßen gut
und der Motor war aus meldete sich der Engländer mit Seekrankheit und
Panikattacke. Super gut. Die Crew hat ihn dann unter Deck befördert und
versucht die Situation in Griff zu bekommen. Keine 5min später kam der Skipper
aus der Luke gerannt, mit Handy am Ohr, schmiss den Motor an, wendete das Boot
ohne große Vorwarnung und fuhr unter Vollzeugbesegelung unter Motor voll Speed
in Richtung Hafen.
Der 4h Trip war nach ca.1h beendet. Das letzte Segel haben
wir in der Hafeneinfahrt irgendwie runtergerissen. Die armen Mädels der Crew
waren völlig fertig. Der einen bluteten sogar die Hände. Ist auch nicht der
leichteste Job, einer halbwegs nützlichen Herde Touristen innerhalb 2 Minuten
zu erklären, was jetzt abgeht und wer was macht. Mehr oder weniger haben 2
Mädels die Segel im Alleingang runter gerissen. Für die ganze Aktion sah der
Engländer aber überhaupt nicht so schlecht aus als er dann von Bord gegangen
ist im Hafen. Für uns gabs dann die Optionen: 1. Andere Tour mit einem
Motorboot oder 2. Geld zurück. Da Husavik aber der beste Spot auf Island ist,
um Wale zu beobachten, haben wir uns schnell für Option Nr. 1 entschieden.
Problem war nur, die nächste Tour ging erst um 13:30 Uhr auf einem riesen
Fischer Kahn mit 50 anderen Touris (45 davon deutsch, inklusive Crew außer Kapitän).
Das Ganze war aber noch problematischer. Wir mussten noch 4h fahren (google Maps ist irgendwie immer schneller, ich glaun der rechnet deutsch) und
eigentlich bis 22 Uhr in Seydisfjördur einchecken.
Also hat die nette Dame am
Ticket Schalter für uns im Hostel angerufen, dass wir es nicht schaffen bis um
22Uhr, was kein Problem für das Hostel darstellt. Die lassen einfach die Türe
offen und den Schlüssel in unserem Zimmer. Sehr nett. Na dann. Alle Probleme
beseitigt und schwups waren wir gegen Auszahlung des Differenzbetrags auf die
andere Tour gebucht. Die Overalls waren lange nicht so cool, das Schiff nicht
so schön und es war die absolute Massen Touristen Veranstaltung. Sieht auch gleich ganz anders aus als auf so einem schönen Schoner. Is eher wie Müllmänner beim Schlange vor dem Stemoel Automaten stehen.....
Aber wir haben
jede Menge Wale gesehen. Wir haben uns gleich nach ganz oben verzogen, um ein
bisschen den Massen aus dem Weg zu gehen. Das Wetter war mittlerweile noch
schlimmer. Erst mal raus aus dem Hafen. Keine 10 min später hat das erste
Chinesen Kind sein Mittagessen wieder an Deck verteilt gehabt. Die arme Beate
von der Crew kam aber gleich mit dem Eimer angerannt und hat die Überbleibsel
von Bord gespült. Nils aus Sindelfingen (seit 1999 auf Island), der Moderator,
Wal-Schreier und Entertainer der Veranstaltung hat sich als Kinderflüsteter
versucht, aber kläglich versagt. Wenigstens konnte man sich auf seine ``Whale
11 o´clock`` Schreie verlassen. Leider kam nur einmal ein Wal direkt neben
unser Boot, ganz zum Ende, und ich war mit der Kamera nicht schnell genug. Aber
von den 20-30m entfernten gibt es jede Menge Fotos und das nicht nur von Walen, sondern auch von jeder Menge Seevögeln.
Als es dann irgendwann hieß: Letzer Wal, dann Zimschnecken mit heißer Schokolade auf dem Vorschiff hat direkt die nächste Asiatin ihr Mittageseen den Walen zum Fraß vorgeworfen. Die See scheint wohl doch etwas rauer gewesen zu sein. Letztendlich hat es sich
wirklich gelohnt. Jetzt packen wir nur den Lake Myvatn nicht mehr komplett,
bzw. ist eh so neblig, dass man nichts davon sieht. Noch schnell einen Express
Stopp beim größten Wasserfall Europas, dem Dettifoss, eingelegt und erst mal
durch das Schneefeld dahin gestiefelt. Ist wirklich ein riesen Teil!
(Der Schnee ist nur deshalb schwarz gemustert, da das aufgestäubte Wasser vom dunklen Lavafeld kommt)
In Seydisfjördur angekommen ist unser Hostel alles andere als super. Ist eher eine Art Geisterhaus. Für eine Nacht wirds wohl gehen.